Langsprinter bescheren Niedersachsen Medaillenregen
Die Chancen auf einen Mehrfach-Erfolg für Niedersachsen standen mehr als gut. Und dennoch blickte man nach den 400m-Endläufen der Männer in das ein oder andere ungläubige Gesicht: Am dritten Tag der Deutschen Hallenmeisterschaften der Aktiven, die an diesem Wochenende in der Dortmunder Helmut-Körnig-Halle stattfanden, sicherten sich die Langsprinter aus Niedersachsen alle drei Podestplätze.
Jahresschnellster und Top-Favorit Jean Paul Bredau ließ sich die Goldmedaille hierbei nicht nehmen: In 46,21sek stürmte der amtierende Deutsche Freiluft-Meister vom VfL Wolfsburg im zweiten Zeitendlauf an Position eins über die Ziellinie. Dicht auf den Fersen war ihm auf den letzten 100m Fabian Dammermann von der LG Osnabrück, der sich mit der schnellsten Vorlaufszeit in den Startblock gesetzt hatte. Gestoppte 46,54sek hatten ihn am Samstag über eine neue persönliche Bestleistung jubeln lassen und zeigten deutlich, dass der 28-Jährige nach seinem Sturz im vergangenen Jahr mit der Dortmunder Halle noch eine Rechnung offenhatte: „Das ist heute eine Widergutmachung“, bilanzierte er nach dem Finale im Ziel.
Thorben Finke – der Dritte im Bunde – musste ein paar Minuten warten, um herauszufinden, was seine gesprinteten 47,15sek an diesem Tag wert sein würden. Der Athlet vom SV Sigiltra Sögel erlebte im ersten Zeitendlauf eine denkbar knappe Zieleinkunft: Nur vier Hunderstelsekunden trennten hier Rang eins von Rang drei. Nach dem Rennen von Bredau, Dammermann und Co. war dann aber klar, dass sein Laufsieg für die Bronzemedaille reichen würde. Für Titelverteidiger Florian Kroll (LG Osnabrück) reichten 47,17sek in diesem Jahr nicht für die Einladung zur Siegerehrung. Nikolas Raeth (SV Union Salzgitter), Jordan Gordon (Hannover 96) und Niclas Jan Kaluza (Eintracht Hildesheim) waren ebenfalls Teil des 400m-Aufgebotes, schafften es allerdings nicht eine Runde weiter.
Luna Bulmahn knackt sieben Jahre alte Bestzeit
Im Vorfeld der Entscheidung bei den Männern galt es, unter den 400m-Läuferinnen die Medaillen zu vergeben. Luna Bulmahn vom VfL Wolfsburg hielt hier die Fahnen für den NLV hoch und begeisterte an diesem Wochenende mit zwei ganz starken Finishs: Nachdem die 26-Jährige bereits im Halbfinale erst auf der Schlussgeraden die direkte Qualifikation für den Endlauf eintüten konnte, ging sie auch das Finale am Sonntag zunächst verhalten an und verschärfte erst auf den letzten Metern das Tempo: 53,09sek bescherten ihr nicht nur eine neue Hallen-Bestleistung, sondern auch die Bronzemedaille hinter Johanna Martin (1. LAV Rostock) und Skadi Schier (SCC Berlin). „Ich bin eher eine Draußenläuferin und freue mich jetzt auf die Outdoor-Saison. Ich hoffe, dass ich dann meine Zeiten wieder angreifen kann“, zeigte sie sich in der Mixed Zone im Hinblick auf die Sommersaison zuversichtlich.
Kira Wittmann springt erneuet 13,94m
Neben Bredaus Erfolg hatte Dreispringerin Kira Wittmann bereits am Samstag für die erste Goldmedaille für Niedersachsen gesorgt. Mit ihren in Chemnitz gesprungenen 13,94m war die Frohnatur von Hannover 96 als Mitfavoritin nach Westfalen gereist und ließ bereits im ersten Durchgang aufhorchen: Mit den 13,76m, die sie hier in die Ergebnisliste eintragen ließ, lag sie lange Zeit an der Spitze des Feldes. Als ihre ärgste Konkurrentin Caroline Joyeux (LG Nord Berlin) dann im dritten Versuch mit 13,84m die Führung übernahm, konnte Wittmann unmittelbar kontern: 13,94m im vierten Versuch bestätigten ihre Leistung aus dem Januar und ließen der Deutschen Hallen-Vizemeisterin von 2025 die Goldmedaille nicht mehr nehmen. Wittmanns Trainingskollegin Anna Gräfin Keyserlingk kam mit gemessenen 13,47m nah an ihre Hallen-Bestweite heran und wurde Vierte. Lotta-Henrike Werner von der LG Weserbergland kam als dritte NLV-Athletin auf 12,25m.
Dorothea Gantert und Niklas von Zitzewitz begeistern im Hochsprung
Nicht nur im Drei-, sondern auch im Hochsprung der Frauen war Niedersachsen bei der Siegerehrung vertreten: In einem starken Teilnehmerfeld überraschte Nachwuchstalent Dorothea Gantert: Die U20-EM-Teilnehmerin von der SpVg Laatzen übersprang nicht nur die 1,70m, 1,75m und 1,80m im ersten Versuch. Auch die 1,84m blieben direkt liegen, obwohl sich Gantert in solche Höhen zuvor noch nie gewagt hatte. „Vor dem Sprung dachte ich mir: Ey, das sieht doch gar nicht so hoch aus. Dass es dann direkt im ersten Anlauf geklappt hat, ist Wahnsinn.“ Die Hannoveranerin durfte sich im Anschluss die Bronzemedaille um den Hals hängen lassen. Im Hochsprungwettbewerb der Männer gelang auch Niklas von Zitzewitz vom VfL Eintracht Hannover der Sprung in neue Sphären: Im zweiten Versuch blieb hier die Latte bei einer Höhe von 2,10m liegen – nur der neue Deutsche Meister Falk Wendrich (LAZ Soest) konnte anschließend noch die 2,14m und 2,19m überspringen. Von Zitzewitz freute sich über seinen neuen Hausrekord und durfte sich den Vizetitel mit Marlon Gräfe (LG Region Karlsruhe) teilen.
Lera Miller mit couragiertem 1500m-Finale
Ganz knapp am Podestplatz vorbei schlitterte derweil das Löninger Lauf-Ass Lera Miller: Das 1500m-Finale der Frauen riss das Dortmunder Publikum am Sonntag zum ersten Mal an diesem Tag von seinen Sitzbänken und blieb bis auf die letzte Runde spannend. Als jüngste Athletin in der Konkurrenz präsentierte sich die frischgebackene U20-Hallenmeisterin lange im vorderen Teil des Feldes, musste aber immer wieder auf die Außenbahn ausweichen und viel Kraft investieren. Umso beeindruckender, dass Miller das Tempo auf den letzten 200m noch einmal verschärfen und nah an die Medaillengewinnerinnen herankommen konnte: Am Ende stoppte die Uhr nach 4:22,87min, was Rang vier bedeutete. Drei weitere NLV-Athletinnen stellten sich im 1500m-Finale an die Startlinie: Marie Pröpsting vom VfL Eintracht Hannover freute sich über Rang acht. Anna Malena Wolff Lopez (Braunschweiger Laufclub) und Jana Schlüsche (VfL Eintracht Hannover) reihten sich mit Platz neun und zehn ebenfalls in die Top Ten ein.
Niklas Haaker profitiert von starker Konkurrenz auf den 60m
Prominente Namen tauchten nicht nur auf den 1500m, sondern auch auf der 60m-Sprintdistanz auf. Umso bemerkenswerter war hier die Leistung des Neustädters Niklas Haaker einzuordnen: Der 23-Jährige von der LG Neustadt Nord beendete seinen Vorlauf nach 6,75sek auf Rang drei, sodass ihm kurze Zeit später auch im Halbfinale ein Startplatz zustand. Dort ließ sich Haaker von seinen schnellen Kontrahenten mitreißen, sodass mit gestoppten 6,72sek ein neuer Hausrekord auf den Monitoren angezeigt werden konnte. Milian Zirbus von Hannover 96 schaffte es nicht in den Zwischenlauf, konnte mit 6,98sek aber seine Vorleistungen bestätigen. Seine Vereinskollegin Jule Wachtendorf kam auf den 60m der Frauen nach 7,48sek ins Ziel.
Weitspringer Julian Karsten kam im Gegensatz zu Niklas Haaker nicht ganz an seine bisherige Bestleistung heran. Der amtierende Deutsche U20-Meister feierte im Wettbewerb der Männer seine Premiere bei den Aktiven und belegte mit gesprungenen 7,08m Rang neun. Mit einer Leistung in Richtung seiner zuletzt gelungenen Bestweite von 7,54m hätte dem Athleten vom VfL Wolfsburg sogar eine vordere Platzierung gelingen können. Ebenfalls ein neunter Platz wurde im Kugelstoßen nach Niedersachsen vergeben. Im Wettbewerb der Frauen, der bereits am Freitagabend ausgetragen wurde, katapultierte Nadine Leigers von der TSG Dissen das Wurfgerät auf 15,11m. Die Staffelsprinter der Startgemeinschaft Oldenburg durften das Wettkampf-Wochenende am späten Sonntagnachmittag beenden: Tim Hüsken, Jakob Buchberger, Volker Kinast und Niklas Raschen brachten das Staffelholz nach 1:29,93min über die Ziellinie und freuten sich über Rang zehn.